Arthur Biram

Aus Biographisches Lexikon der Oberlausitz
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Name = [Biram]
Vorname = [Arthur] [Yitzhak]
Titel = Dr. phil.
Geburtsdatum = [13.08.1878]
Geburtsort = [Bischofswerda]
Sterbedatum = [05.06.1967]
Sterbeort = [Haifa]
Amt/Beruf = Philologe, [Philosoph], [Pädagoge]
Familie =
Vater: Adolph (geb. 30.3.1830?, gest. 9.6.1915), Kaufmann in Bischofswerda und Hirschberg
Mutter: Eva geb. Neufeld (geb. 22.9.1833?, gest. 21.3.1921)
Ehen: 1924, Hanna Tomaszewski (gest. 1968), Lehrerin an der Jüdischen Mädchenschule in Berlin, Mitbegründerin des zionistischen Jüdischen Frauenbundes für Turnen und Sport, ausgewandert 1920, Wirtschaftsleiterin am Realgymnasium Haifa
Kinder: 2 Söhne, Aharon und Benjamin
Geschwister: Julius (gest. 5.7.1916, im 1. Weltkrieg gefallen), Else (geb. 7.2.1883 in Bischofswerda, Dr. phil., verh. Bodenheimer), Fritz (1936 nach den Olympischen Sommerspielen über Belgien und Uruguay nach Argentinien geflohen), Gertrud, Max
Bemerkungen = geboren in Bischofswerda, Gymnasium Hirschberg, studierte in Leipzig und Berlin und wurde 1904 Rabbi, gründete 1913 die Hebrew Reali School in Haifa, etwa 50 Publikationen in Hebräisch, Englisch, Deutsch und Arabisch, Träger des Israel-Preises; die Lebensdaten der Eltern sind einem Foto von deren Grab entnommen, sie stehen im Widerspruch zu Lebensdaten der Kinder sowie weiteren Hinweisen aus der Familie Biram. Es ist zu vermuten, dass die Grabinschrift fehlerhaft ist. Es ist unbekannt, wo sich diese Grabstätte befindet.
Literatur = Ernst Simon: Sechzig Jahre gegen den Strom. Briefe von 1917-1984. Hrsg. vom Leo-Baeck-Institut, Jerusalem, Tübingen: Mohr Siebeck 1998 (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo-Baeck-Instituts. 59). ISBN 3-16-147000-1

Werke =
* Die atomistische Substanzenlehre aus dem Buch der Streitfragen zwischen Basrensern und Bagdadensern. Dissertation, Universität Leipzig, H. Itzkowski Berlin, 1902
* Sefer Orbakh: Offered in honor of Dr. Eliyahu Auerbach, on the occasion of his seventieth birthday, Jerusalem, 1955
* Sefer Neger: lizkor D. Neger. Jerusalem, 1955
* Divre yeme Yisrael bi-zeman ha-Mikra be-misgeret toldot ha-mizrach ha-kadum, Haifa, 1960
*
Mapot. Haifa, 1961
*
The History of Israel in the Biblical Period in the Framework of Ancient near Eastern History, Journal of Biblical Lit., Sep., 1963, vol. 82, no. 3, p. 365

Inhaltsverzeichnis

Weblinks

Biographie

Familie

B. wurde als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Bischofswerda geboren, wo die Familie noch mehrere Jahre ansässig blieb, bevor sie zwischenzeitlich in Dresden wohnte. Im Alter von 13 Jahren begann B., Latein und Griechisch am humanistischen Gymnasium Hirschberg zu lernen. Rabbiner in Hirschberg war Dr. Max Biram (1.1.1856 - 22.6.1916). B.s Vater galt als ein ausgewiesener Anhänger von Theodor Herzl, der 1896 nach antisemitischen Ausschreitungen in Paris mit dem Buch Der Judenstaat den politischen Zionismus initiiert hatte, welcher schließlich 1948 in der Gründung des Staates Israel mündete. Es war der Traum des Vaters, dass sein Sohn Rabbi in einem eigenen Staate des jüdischen Volkes werden solle.

B.s Mutter war sehr kunstinteressiert und liebte das Theater und die Oper. Auch sie beeinflusste ihren Sohn, mehr noch aber dessen Schwester Else. Die bekannte Kultursoziologin behandelte z. B. 1919 in ihrer Schrift Die Industriestadt als Boden neuer Kunstentwicklung Bildende Kunst und modernes Leben sowie die öffentliche Kunstpflege. Nach ihrer Auswanderung nach Haifa publizierte sie z. B. zur Gleichberechtigung der Frauen in Europa.

Ausbildung und erste Berufsjahre in Deutschland

B. studierte an den Universitäten Berlin und Leipzig Sprachen, darunter Arabisch. 1898 gründete er einen Bar-Kochba Club im Gedenken an Shimon bar Kokhba, der im Jahre 132 im Römischen Reich einen jüdischen Staat Israel ausgerufen hatte, welcher erst drei Jahre später niedergeschlagen werden konnte. 1902 promovierte B. in Leipzig zum Dr. phil. mit einer Arbeit zum Philosophen Abu-Rasid al-Nisaburi. 1904 absolvierte er das Rabbi-Seminar an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Um 1909 lehrte er am Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster klassische Sprachen und Literatur.

Auswanderung nach Palästina, Verdienste um Israel

Unmittelbar vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges war in Haifa geplant, eine Eliteschule zu gründen. Das ursprüngliche Konzept, naturwissenschaftlich-technische Fächer in deutscher Sprache zu unterrichten, rief große Proteste hervor, was das Zionistische Komitee schließlich veranlasste, die Hebrew Reali School zu gründen. B.s hervorragende Hebräisch-Kenntnisse waren bis nach Palästina bekannt geworden und anlässlich des Chanukka-Festes im Dezember 1913 wurde er in sein Amt als Direktor eingeführt.

Kurze Zeit später erhielt B. die Einberufung zum Kriegsdienst in der deutschen Armee. Er konnte sein Schulamt erst 1919 wieder aufnehmen. B. selbst lehrte Bibelkunde und antike Geschichte. Als Direktor setzte er trotz des elitären Anspruchs der Reali auch den Unterricht in manueller Arbeit und Landwirtschaft durch. Besonderen Wert legte er auf die Erziehung zu moralischen Werten und zum Patriotismus sowie auf den Schulsport und die Selbstverteidigung. Hier war er auch von Dr. Elias Auerbach, einem der ersten deutschen Siedler auf israelischem Gebiet und Gründer des Haifa-Hospitals, geprägt worden. B. initiierte das Hagam-Programm zur physischen Ertüchtigung und Vorbereitung auf den Armeedienst. Dabei ging es auch darum, Frauen für die Haganah zu rekrutieren - eine jüdische paramilitärische Organisation während des britischen Mandats, die schließlich zum Kern der israelischen Armee wurde.

B. begleitete den Jischuw über die Jahre des britischen Mandats und zwei Jahrzehnte des Bestehens des Staates Israel. Er schrieb mehrere Bücher zur Geschichte des Judentums und der Bibel. Seine Verdienste um die neue Heimat wurden 1954 mit dem Israel-Preis, der höchsten Auszeichnung seines Landes, gewürdigt. Zu den bekanntesten Schülern B.s gehörte Ezer Weizman, ehemaliger Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Verteidigungsminister und langjähriger israelischer Präsident. Die von B. gegründete Reali Haifa erwarb sich den Ruf, Kaderschmiede der israelischen Armee zu sein.

Erinnerungen

B. und seine Frau hatten frühzeitig ihre beiden Söhne verloren, Aharon bei einem Unfall während eines Reservedienstes und Benjamin durch eine Mine. 1948 emeritierte B. Die von ihm gegründete Schule in Haifa trägt heute seinen Namen: Beit Biram. Ebenfalls nach ihm benannt ist in Haifa die Straße zwischen der Universität und dem Technion-Israel Institut. Das mit Unterstützung von David Ben-Gurion gegründete Militärinternat erhielt den Namen seines Sohnes Aharon.

<AutorenInfo>
Autor = Dr. Uwe Fiedler, 2010-2011
Quellen =
* John Moser, Enkel von B.s Bruder Fritz: Mitteilungen September 2010
* Renate Biram: Mitteilungen 2011
* Raphael Patai: Encyclopedia of Zionism and Israel. Bd. 1, Herzl Press, 1971
* Zeev W. Sadmon: Die Gründung des Technions in Haifa in Lichte deutscher Politik, 1907-1920. Bd. 78 von Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, K. G. Saur, 1994
* Fred Skolnik, Michael Berenbaum: Encyclopaedia Judaica, Band 3. Macmillan Reference USA in association with the Keter Pub. House, 2007
* Itzhak J. Carmin: Who's who in world Jewry. Pitman Pub. Corp., 1978
* Judah Leon Magnes, Arthur A. Goren: Dissenter in Zion: from the writings of Judah L. Magnes. Harvard, University Press, 1982
* Gershom Gerhard Scholem, Itta Shedletzky: Band 1 von Briefe, Thomas Sparr.C.H.Beck, 1994
* Mordecai Schreiber: Land of dreams: an Israeli childhood. Shengold Books, 1998
* Eli Rothschild: Meilensteine. Präsidium, K.J.V., 1972
* Otto R. Romberg, Heiner Lichtenstein: From vision to reality: 50 years of Israel. Edition Tribüne, 1998
* Hochschule für die Wissenschaft des Judentums (Berlin), Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (Berlin), H. Itzkowski, 1904
* Myra Warhaftig: "Sie legten den Grundstein": Leben und Wirken deutschsprachiger jüdischer Architekten in Palästina, 1918-1948. Wasmuth, 1996
* Biografie Elias Auerbach
* Ines Sonder: Frauen turnen für Zion (David. Jüdische Kulturzeitschrift, Ausg. 87)
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